Ehemaliger Stasi-Häftling beeindruckt Schüler

Sieben Jahre im ehemaligen Stasiuntersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen gehen nicht spurlos an einem vorüber. Der ehemalige Häftling Hartmut Richter dokumentierte mit seinen Mitarbeitern in Film und Wort die Zeit des Mauerbaus, der Fluchtpläne und Diffamierungen in der ehemaligen DDR.

Die Mädchen und Jungen der 10. Klassen der Gemeinschaftshauptschule Heinsberg erfuhren so aus erster Hand von Augenzeugen, was diese Epoche prägte und weshalb sie nicht in Vergessenheit geraten sollte. Dem eindrucksvollen Film «Zentrale des Terrors» folgte eine Gesprächsrunde. Die persönliche Betroffenheit der Zeitzeugen beeindruckte die Jungen und Mädchen tief.


 

Das seelische Trauma zeichnet die Opfer der Staatssicherheit in der DDR - bis heute.


Veröffentlicht von Harry Hinz (hhinz) am 23.12.2007

Von der DDR verfolgt: Das seelische Trauma zeichnet die Opfer der Staatssicherheit in der DDR – bis heute.

Lange blieb das Leiden der Stasiopfer verborgen. Erst jetzt beschäftigt man sich zunehmend mit den seelischen Auswirkungen der Diktatur. So auch auf der Charité-Veranstaltung „Politische Repression in der DDR und ihre psychischen Folgen“ im Hörsaal des Benjamin-Franklin-Klinikums. Dass das Thema vernachlässigt wurde, liegt, so sagte der Arzt und Psychotherapeut Karl-Heinz Bomberg, auch daran, dass psychisch Traumatisierte ihre seelischen Verletzungen zunächst meist verdrängen: Jahre- oder gar jahrzehntelang zeigen sie keine Auffälligkeiten, bis eine neue psychische Belastung sie zusammenbrechen lässt. Oder sie suchen wegen körperlicher Beschwerden, die oft psychosomatischer Natur sind, einen Experten nach dem anderen auf, ohne fachkundige Hilfe zu finden.

Bomberg selbst ist gleich doppelt kompetent in diesem Bereich: In seiner psychoanalytischen Praxis behandelt er Patienten mit psychischen Störungen, die auf eine politische Verfolgung in der DDR zurückgehen. Er selbst stammt auch aus der DDR und wurde als dissidenter Liedermacher inhaftiert. In der rund tausendseitigen Akte „Operativer Vorgang Sänger“ bezeichnete das Ministerium für Staatssicherheit seine Protestlieder als „staatsfeindliche Hetze“.

Zwischen 1945 und 1989 waren in der sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR rund 300 000 Personen aus politischen Gründen und oft unter nichtigem Vorwand inhaftiert. Dazu kommen laut Bomberg noch diejenigen, die zwar nicht im Gefängnis saßen, aber dennoch verfolgt wurden. Insgesamt, so sagte Bomberg, hätten 300 000 Personen gesundheitliche Schäden durch Repressionen mit oder ohne Haft davongetragen. 100 000 von ihnen würden immer noch unter psychischen Folgeerkrankungen wie Angststörungen, Depressionen oder einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden.

Ein psychisches Trauma beschrieb Bomberg als „unsichtbare Wunde im Selbst“. Entstanden ist sie durch Erlebnisse, die außerhalb der normalen menschlichen Erfahrung liegen, von Unfall und Vergewaltigung bis hin zu Naturkatastrophen, Krieg, Haft und Folter. Zum Selbstschutz wird das Erlebte verdrängt und verleugnet.

Oft hat Karl-Heinz Bomberg solche Abspaltungsreaktionen bei Opfern jener perfiden Methoden beobachtet, die als „Zersetzung“ in der Juristischen Hochschule der Staatssicherheit in Potsdam-Eiche gelehrt wurden. Mit Beginn der siebziger Jahre war die DDR zunehmend besorgt um ihr Ansehen im Ausland und wollte als möglichst humaner Staat erscheinen. Deshalb beschloss die Obrigkeit, Widerständlern nicht mehr mit offensichtlicher Gewaltandrohung und Inhaftierung zu begegnen, sondern versteckter vorzugehen: „Zersetzung“ bedeutete eine Art von psychischer Folter, die vor allem im Alltag von politisch unliebsamen Personen stattfand. Mitunter reichte schon ein Ausreiseantrag, und der Betreffende wurde das Opfer von zahlreichen Repressionen. Inoffizielle Mitarbeiter der Stasi hinderten ihn am beruflichen Fortkommen und streuten gezielt Gerüchte, die seine privaten Beziehungen bedrohten. Systematisch wurden Selbstwertgefühl und sozialer Rückhalt zerstört.

In der Behandlung solcher nachhaltig verunsicherter Menschen komme es, so sagte Bomberg, vor allem darauf an, mit viel Geduld eine Vertrauensbeziehung zu schaffen. Erst dann lasse sich schrittweise mit der Aufarbeitung des Traumas und spezifischen Behandlungsverfahren beginnen.

Die Therapie gestaltet sich schwierig, denn „Verlassenheitserlebnisse, Angstüberflutungen, Vertrauensverluste werden dauerhaft ins Gehirn eingeschrieben, wie wir aus der neueren Hirnforschung wissen“, heißt es in dem von Bomberg mitverfassten Sammelband „Traumatisierungen in (Ost-) Deutschland“. Erschwerend komme hinzu, dass die spezifisch ostdeutschen seelischen Verletzungen oft „als Larmoyanz und Verbitterung denunziert“ würden. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Heilung nicht nur von der individueller Psychotherapie, sondern auch von der gesellschaftlichen Atmosphäre abhänge.

Derzeit sei diese der Heilung nicht förderlich, sagte Bomberg. Seiner Beobachtung nach fühlen sich die Opfer oft allein gelassen und unverstanden. Eine Ansicht, die von den Betroffenen, die anwesend waren, bestätigt wurde. Einer von ihnen sprach davon, dass er ständig neue Verletzungen erleide, weil die Täter von damals wieder in Amt und Würden seien. Auch befürchte er, auf seiner Suche nach einem Therapeuten womöglich an einen Psychologen zu geraten, der früher im Dienste der Stasi gestanden hatte. Mehrere der anderen Anwesenden, die unter Spätfolgen der politischen Repression litten, klagten, noch immer keinen kompetenten und verständnisvollen Therapeuten gefunden zu haben und nur mit Psychopharmaka „zugedröhnt“ worden zu sein. Rosemarie Stein

Die Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie vom Campus Benjamin Franklin hilft Betroffenen bei der Vermittlung kompetenter Psychotherapeuten. Zu erreichen ist die Klinik telefonisch unter 84 45 39 96 oder per E-Mail: psychosomatik-cbf@charite.de
http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/Stasi-DDR;art304,2438209 13.12.07

 

Gründung von Netzwerk Stasiopfer Selbsthilfe e.V. 09:16, 07.12.2007


 

Am 03.Dezember 2007 gründeten erst einmal 9 Personen das Netzwerk Stasiopfer Selbsthilfe e.V.,
Fasst alle zur Zeit bestehenden Selbsthilfegruppen und etliche andere Persönlichkeiten haben bereits mitgeteilt, viele schon bei oder vor der Gründung, ebenfalls,meist auf schriftlichem Wege, Mitglied werden zu wollen.
 
 
 
 
 
 


Durch Initiative von MdB Reinhold Hemker und mir gründete sich Anfang August eine Selbsthilfegruppe von am 17.August 2007 noch 4 Personen.

Trotz vieler anfänglicher Schwierigkeiten, die eine Neugründung des Netzwerkes erforderlich machten,

besteht jetzt ein Netzwerk von 24 Selbsthilfegruppen, bestehend aus vielen Selbsthilfegruppen-Gründern der Anfangszeit. Für eine Selbsthilfegruppe ist die Kontaktperson ein Bundestagsabgeordneter, zwei Selbsthilfegruppen werden von Bezirksvorsitzenden der VOS, beziehungsweise VOS/BSV geleitet.

Am Anfang war unser Mitinitiator und jetziger 2. Vorsitzender Dr. Reinhold Hemker, MdB, unser einziger Kontakt zu den Parlamenten, auch auf diesem Wege noch unser Glückwunsch zum Doktor-Titel.

Jetzt dürfen wir einen Europa-Abgeordneten, 7 Bundestags-Abgeordnete von 4 Parteien, eine Landtagsabgeordnete, den gemeinsamen Geschäftsführer von VOS/BSV Hugo Diedrich und weitere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu unseren Unterstützern zählen.

Auch auf diesem Wege, allen Mitstreitern meinen und unseren Dank.

Ich denke wir haben alle die Zuversicht, dass wir recht bald und recht schnell weiterwachsen werden, um bald ein wirklich bundesweites, möglichst viele Orte erreichendes Netzwerk zu werden.  

Im Interesse aller Betroffenen, im In- und Ausland denen wir bisher etwas helfen konnten und hoffentlich noch recht lange helfen werden können.

 
Allen die mir und uns bisher dabei geholfen haben und hoffentlich noch werden.
Unseren und meinen herzlichen Dank.
 
Netzwerk Stasiopfer Selbsthilfe e.V.
Harry Hinz 1. Vorsitzender

 
 

Stasiopfer-Selbsthilfe eingetragen im Selbsthilfenetz NRW
 

Das Netzwerk zur Zusammenführung und Beratung von Stasiopfer Selbsthilfe-gruppen mit der Internetseite www.stasiopfer-selbsthilfe.de ist seit kurzem eingetragen auf den Seiten des Selbsthilfenetzes NRW. Das Portal steht unter dem Dach des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Nordrhein-Westfalen und führt Selbsthilfegruppen aller Art auf. Stasiopfer-Selbsthilfe wird derzeit unter der Rubrik "Opfer von Gewalt" geführt und ist unter folgender Adresse zu erreichen: http://www.selbsthilfenetz.de/content/e2994/e6997/e7447/index_html?call_obj_id=36757 . 
 

 

Das Portal Stasiopfer-Selbsthilfe möchte Opfern von Gewalt und Folter in der ehemaligen DDR zur Seite stehen. 

 


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