Aktuelles
 
 

 

Hier erfahren Sie aktuelle Nachrichten rund um das Thema Selbsthilfegruppen für Stasiopfer.
Auf dieser Seite finden Sie in Zukunft alles was es Aktuell gibt mit Interesse für SED- und Stasiopfer.

Siehe Terminhinweise für Veranstaltungen gleich welcher Art, einiges was es aus den Medien gibt mit
Interesse für SED-und Stasiopfer, auch Presseartikel.

  

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DDR als Billiglohnland für den Westen
 
Bis zum Mauerfall 1989 nutzten viele West-Firmen das niedrige Lohnniveau in der DDR und erzielten dadurch große Gewinne. Aus Profitinteresse wurden auch Zwangsarbeiter eingesetzt.
 
Die Vorwürfe gegen den Möbelhersteller Ikea, DDR-Zwangsarbeiter hätten jahrelang für den schwedischen Konzern geschuftet, brachten den Stein ins Rollen. Anfang Mai (02.05.2012) hatte der schwedische Fernsehsender SVT einen Bericht ausgestrahlt, in dem auch ehemalige DDR-Häftlinge zu Wort kamen. Demnach sollen bis zum Mauerfall 1989 in ostdeutschen Gefängnissen Ikea-Möbel hergestellt worden sein, auch von politischen Gefangenen. Zwangsarbeit in Ostdeutschland für einen westlichen Konzern. Kein Einzelfall, sondern gängige Praxis, von der auch viele deutsche Firmen profitierten. Denn in der DDR waren alle Gefangenen zur Arbeit verpflichtet.
 
 
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Debatte um Entschädigung für DDR-Häftlingsarbeit
 
Der Stasi-Bundesbeauftragte Roland Jahn hat von deutschen Firmen Aufklärung darüber verlangt, ob sie vor 1989 von DDR-Häftlingsarbeit profitiert haben.
 
„Ich würde es begrüßen, wenn westliche und vor allem bundesdeutsche Unternehmen, die in der DDR produzieren ließen, für Transparenz sorgen würden“, sagte Jahn dem Magazin „Focus“. Seine Behörde stehe für Recherchen zur Verfügung.
 
 
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Beratungstage für SED-Opfer
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
 
auch in diesem Jahr werden wir wieder Beratungstage für Verfolgte des SBZ/DDR-Regimes durchführen, und zwar
 
am 30. Mai 2012 in Goslar im Kreishaus und
am 26. September 2012 in Osnabrück im Rathaus.
 
Aus hiesiger Sicht ist es sehr wichtig, dass auch Vertreter der in Niedersachsen organisierten Opferverbände, bzw.des Nds. Netzwerks für SED-und Stasi-Opfer als selbst Betroffene an den Beratungen teilnehmen, um die Veranstaltungen mit ihrer Fachkompetenz zu unterstützen. Ich würde mich deshalb freuen, wenn es uns gelänge, zu jedem Termin jeweils einen Ansprechpartner aus Ihrem Kreis dabei zu haben. 
 
Für eine kurze Rückmeldung ob und wann Ihnen eine Teilnahme möglich wäre, bedanke ich mich im voraus. Auch für organisatorische Fragen stehe ich selbstverständlich gern zur Verfügung. Die endgültige Planung, wer an welchem Termin teilnimmt, werde ich Ihnen dann zeitnah übersenden.
 
 
Mit freundlichen Grüßen 
Karin Nitsch
 
Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport 
Referat A 12
 
fon: 0511/120 - 46 64 
fax: 0511/120 - 99-46 64 
e-mail: karin.nitsch@mi.niedersachsen.de

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Die mitteldeutsche Bischöfin Ilse Junkermann plädiert für eine neue Aufarbeitung des DDR-Unrechts: Erst dann sei Versöhnung möglich
 
DIE ZEIT: Frau Junkermann, war die DDR ein Unrechtsstaat?
 
Ilse Junkermann: Ja, ohne Zweifel. Sie kannte keine Gewaltenteilung. Sie hat im Rahmen ihres Rechts Recht gesprochen, das nicht auf demokratischem Weg zustande gekommen ist. Die bürgerlichen Rechte waren massiv eingeschränkt.
 
 
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"Ohne die Häftlingsarbeit hätte der Plan nicht erfüllt werden können"

Ikea-Möbel aus dem Osten: Forscher bestätigt den umfangreichen Einsatz von Zwangsarbeitern in der DDR
 
Steffen Alisch im Gespräch mit Frank Meyer
 
Viele West-Firmen wie Ikea ließen im Billiglohnland DDR produzieren - und "wenn sie sich interessiert hätten, dann hätten sie auch feststellen können, dass oft Häftlinge diese Arbeiten getan haben", sagt der Politologe Steffen Alisch. Er fordert einen offeneren Umgang mit der Zwangsarbeit in der DDR.
 
 
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Ex-Stasi-Leute - «Die Gesetzesänderung war dumm»

Der Streit um die Tätigkeit der ehemaligen Stasi-Mitarbeiter in der Stasi-Unterlagen-Behörde ist so alt wie die Amtszeit des aktuellen Behörden-Leiters Roland Jahn. Der schafft es allerdings nicht, sich von ihnen zu trennen. Gut vier Monate nach Inkrafttreten des neuen Stasi-Unterlagen-Gesetzes sind immer noch 44 Ex-Stasi-Leute in der Behörde beschäftigt. Das Gesetz besagt, dass dort niemand arbeiten darf, der zuvor in Diensten des Ministeriums für Staatssicherheit stand. Aus Angst vor Klagen verzichtet die Behörden-Leitung auf Zwang.
 
 
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Ex-Stasi-Mitarbeiter zieht Antrag gegen Stellenbesetzung in Jahn-Behörde zurück

Ein Antrag auf einstweilige Verfügung vor dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg gegen eine Stellenbesetzung in der Stasi-Unterlagenbehörde ist heute kurz vor der Verhandlung zurückgenommen worden. Der Kläger, ein früherer Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit, wollte mit der einstweilligen Verfügung die Neubesetzung der Stelle des Leiters des Haussicherungsdienstes in der Stasi-Unterlagenbehörde mit einem externen Bewerber verhindern.
 
 
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Kicken, wenn die Stasi wegkuckt

Weil sie die falsche Musik hörten und die falschen Sachen trugen, wurden Punks von der DDR-Staatsmacht überwacht. Doch manchmal versagte der sonst so zuverlässige Überwachungsapparat, wie bei einem legendären Fußballspiel 1983 in Weimar.
 
Das kleine, aber tüchtige Völkchen der Thüringer war ein ausgesprochenes Volk des Sports. So ist nicht verwunderlich, dass sich der Fußball auch in der grundlangweiligen Arbeiter- und Bauerndiktatur Geltung verschaffte. Der Fußballsport mit der ganzen Fülle seiner unaufhaltsamen Energie. Ich habe mal irgendwo gelesen, es gibt Leute, die nichts mit Ernst bestreiten, ausgenommen das Spiel.
 
 
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Befehle von Stasi-Mielke kommen ins Internet

Die Stasi-Unterlagenbehörde will ihren Digitalisierungskurs forcieren. Ab 2014 wolle man zum Beispiel alle zentralen Befehle und Weisungen der Stasi-Minister zwischen 1950 und 1989 ins Internet einspeisen, kündigte Birgit Salamon heute bei einem Besuch in der Außenstelle Dresden an – sie ist Abteilungsleiterin für Archivwesen beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) in Berlin.
 
Auch andere Stasi-Akten werde man nach und nach einscannen und dann von Fall zu Fall entscheiden, ob sie auch im Internet zugänglich gemacht werden können. Ein Hintergrund dafür ist das wieder steigende Interesse an den Stasiakten. Und: „Immer mehr Antragssteller wollen ihre Stasi-Unterlagen in elektronischer Form zugeschickt bekommen“, erklärte Konrad Felber, BStU-Außenstellenleiter in Dresden.
 
 
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Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier - „Grass verhöhnt Opfer der SED-Diktatur“

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat Literaturnobelpreisträgers Günter Grass wegen dessen fortgesetzter Israel-Kritik in einem offenen Brief scharf angegriffen.
 
Der CDU-Politiker reagierte damit auf den Vergleich des Schriftstellers von Israel mit der DDR-Diktatur.
 
 
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Heideblick will Expertenrat zur Auswertung von Stasi-Auskünften

Gemeindevertreter laden Fachleute zur Sitzung ein
 
Heideblick Die Gemeindevertreter von Heideblick werden sich auf ihrer nächsten Sitzung am 16. April ausführlich mit dem Umgang von Unterlagen der Stasi-Untersuchungsbehörde befassen.
 
 
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SED, PDS und die Linke - Der Aufstieg der Gesine Lötzsch

Eigentlich wollte sie sich noch einmal zur Wahl stellen. Jetzt ist Gesine Lötzsch überraschend als Linke-Chefin zurückgetreten. Nach ihrem harten Aufstieg ist ihr diese Entscheidung sicherlich nicht leicht gefallen.
 
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IM-Vergangenheit: Linken-Abgeordnete Leukefeld nicht mehr "parlamentsunwürdig"

Der Thüringer Landtag hat die Vergangenheit der Linken-Abgeordneten Ina Leukefeld als Inoffizielle Mitarbeiterin der Stasi neu bewertet. Nach Informationen des MDR THÜRINGEN hat die Stasi-Kommission des Landtags die Einzelfallprüfung von Leukefeld ergebnislos eingestellt - das heißt, dass die Suhler Abgeordnete anders als bei der ersten Prüfung vor sechs Jahren diesmal nicht als "parlamentsunwürdig" eingestuft wird.
 
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Stasi-Überprüfung: Leukefeld nicht mehr "unwürdig"

Die Landtagskommission zur Überprüfung der Thüringer Abgeordneten auf eine mögliche Stasi-Vergangenheit hat nach einem MDR-Bericht eine Jahre zurückliegende Entscheidung korrigiert.
 
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Schul Kino Wochen NRW 2012 


Schüler des Berufskollegs Schloß Neuhaus,
Herr G. Kröger Leiter des Kreismedienzentrums Paderborn
und Harry Hinz Zeitzeuge u. Vorsitzender Netzwerk Stasiopfer Selbsthilfe e.V.

Wenn nichts mehr geheim ist/27.01.12

Schüler fragen einen Zeitzeugen//27.01.12

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Das Schweigen von Schwedt

Veröffentlicht von (mike) am 10.04.2011
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Im Nordosten Brandenburgs befand sich das einzige Militärstraflager der DDR. Ein neues Gedenkstättenkonzept soll seine Geschichte bewahren. Doch die meisten Menschen haben die Erinnerung an diesen Ort von Drill und Qual lange schon verdrängt
 
Andreas Förster
 
SCHWEDT. "Schreckensname, hinter vorgehaltenen Händen gemurmelt in der Armee, jedem Soldaten bekannt, kaum einem Zivilisten." Mit diesem einen Satz verdichtet Uwe Tellkamp in seinem Roman "Der Turm" den Mythos von Schwedt an der Oder, von der Militärstrafanstalt am Rande der Stadt. Für Generationen von Volksarmisten war der Ortsname ein Synonym für Qual, Drill und Leiden. Die Drohung "Dann kommst du nach Schwedt" schien das wirksamste Mittel zur Disziplinierung der Truppe zu sein. Niemand zweifelte daran, dass dort, im einzigen Militärstraflager der DDR, noch dem renitentesten Soldaten der Willen gebrochen wurde. In Schwedt, so schreibt Tellkamp, war man im Innersten des Systems angekommen.
 
So wie Christian Beuchel, heute Superintendent der evangelischen Kirche in Wittenberg. 1982, als Bausoldat, hatte er sich geweigert, beim Errichten eines Schießplatzes mitzuwirken. "Ich sah mich im Recht, Bausoldaten brauchten nicht an rein militärischen Projekten mitzuarbeiten", sagt der 49-Jährige. Aber sein Vorgesetzter habe ein Exempel statuieren wollen. Beuchel wurde wegen Befehlsverweigerung zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Vier Monate saß er ein, bevor er auf Bewährung freikam.
 
Er ist ein fröhlicher Mann, groß gewachsen, mit Schnurrbart und lichter werdendem Haar. An die Zeit in Schwedt denkt er ohne Bitterkeit zurück. Nur manchmal wird er ernst, dann blicken seine Augen hinter der Brille ins Leere. "Es gibt Bilder, die werde ich nicht los", sagt Beuchel. "Wie wir durch den Bahnhof geführt wurden, in Handschellen und von Polizei mit Maschinenpistolen bewacht. Die Menschen drehten sich weg, Frauen mit Kindern liefen davon, aus Angst." Solche Szenen hat es häufig gegeben in Schwedt, wenn die "Grotewohl-Express" genannten Häftlingswaggons ankamen. Genaueres wollte kaum jemand über das Lager am Stadtrand wissen.
 
Besucher nicht willkommen
 
Auch heute sucht man vergebens nach Antworten. Die Einwohner haben das Straflager, das untrennbar verbunden ist mit dem Namen ihrer Stadt, aus der Erinnerung verdrängt. Sie zucken mit den Schultern, spricht man sie darauf an. Auch im kleinen Stadtmuseum findet man keine Hinweise.
 
Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Ende der DDR soll nun das Schweigen gebrochen werden. Ein Gedenkstättenkonzept, das die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur zusammen mit Schwedt entwickeln will, soll die im Frühjahr 1990 geschlossene Anstalt dem Vergessen entreißen und zugleich deren Mythos entzaubern. Dazu wird eine Broschüre mit Hilfe früherer Häftlinge erarbeitet, eine Wanderausstellung soll folgen, im Mai gibt es ein erstes Symposium mit Wissenschaftlern und Betroffenen. Geplant sind auch Informationstafeln in der Stadt; der Weg, den die Lagerinsassen vom Bahnhof nehmen mussten, soll gekennzeichnet werden.
 
Noch weist kein Schild auf den in der Nationalen Volksarmee verfluchten Ort hin. Der zufällige Besucher erfährt nicht, dass auf dem rund 40 Hektar großen Grundstück einst ein Gefängnis für Militärhäftlinge und ein Kasernengebäude für die Soldaten einer Strafkompanie stationiert waren. Er mag sich wundern über die Reste von Mauern, Stacheldraht und Wachtürmen, über das Haus mit den vergitterten Fenstern, über den von rostigen Laternen umringten Appellplatz, dessen Beton von Grasbüscheln und Krüppelkiefern aufgebrochen ist. Ratlos wird er die Überreste einer Baracke betrachten - es ist das Gebäude, in dem vor fast drei Jahrzehnten Christian Beuchel eingesperrt war.
 
Aber wer verirrt sich heute schon hierher? Besucher sind nicht willkommen. An verrotteten Maschendrahtzäunen, die noch die alte Stacheldrahtkrone tragen, hängen Plastikschilder mit der Aufschrift "Privateigentum. Betreten verboten". Wer hier am Waldrand nach den Spuren der Vergangenheit suchen will, braucht erst einmal eine Genehmigung der jetzigen Grundstücksbesitzer. Das sind zwei Abrissunternehmer aus der Gegend, die die einzelnen Teile des alten Lagergeländes von der Treuhand gekauft haben. Und einem Millionär aus Charlottenburg gehört jetzt das alte Gefängnisgebäude im hinteren Teil des Areals.
 
Das Gefängnis war schon 1964 gebaut worden, als Barackenlager. Die dort untergebrachten Strafgefangenen mussten das nebenan gelegene Petrolchemische Kombinat aufbauen. Erst 1968 wurde Schwedt zur Militärvollzugsanstalt umgewandelt. Zwar unterstand es weiterhin dem DDR-Innenministerium; eingesperrt wurden hier aber nur noch Soldaten und Unteroffiziere, die von Militärgerichten zu Haftstrafen von bis zu zwei Jahren verurteilt worden waren. Bis auf eine wurden die heruntergekommenen Baracken 1989 abgerissen, nachdem die Armee einen zweistöckigen Plattenbau errichtet hatte.
 
Der Militärforscher Rüdiger Wenzke befasst sich seit Jahren mit der Geschichte des Schwedter Straflagers. Wenzke ist Wissenschaftlicher Direktor im Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam, im April wird ein Buch von ihm über das Schwedter Militärstraflager erscheinen. Die Recherchen seien schwierig, sagt er, weil fast alle Akten bis heute unauffindbar sind. Im Stasi-Archiv gebe es ebenfalls kaum Unterlagen.
 
Das macht die Antwort so schwer auf die Frage, ob man Schwedt ausschließlich als Instrument der politischen Repression in der DDR ansehen muss. Rüdiger Wenzke schätzt allerdings, auf Grund der wenigen überlieferten Unterlagen, dass der überwiegende Teil der Häftlinge wegen krimineller Vergehen verurteilt worden ist: "Es ging in der Hauptsache um typische Militärstraftaten wie unerlaubtes Entfernen von der Truppe oder Fahnenflucht. Aber es gab auch Verurteilungen wegen Körperverletzung, Vergewaltigung und Unfällen unter Alkoholeinfluss." In deutlich weniger Fällen hingegen seien politische Vergehen der Grund für die Haftstrafe gewesen. "Aber diese Urteile gab es natürlich auch", sagt Wenzke. "Staatsfeindliche Hetze, Herabwürdigung oder Befehlsverweigerung aus politischen Gründen lauteten da meist die Vorwürfe. Ich schätze, dass zwischen zehn und 25 Prozent der Strafgefangenen als politische Häftlinge anzusehen sind."
 
Neben den abgesperrten Bereich des Militärgefängnisses gab es in dem Lager ab 1982 auch ein Gebäude für die neu geschaffene Disziplinareinheit. Eine Strafkompanie, die dem Mythos von Schwedt neue Schreckenslegenden hinzufügte. Die Einheit war für Soldaten gedacht, die wiederholt gegen Befehle und Vorschriften verstoßen hatten. Auf Befehl der Regimentskommandeure konnten renitente Soldaten für zwei bis drei Monate dorthin versetzt werden, die Zeit mussten sie nachdienen. "Das war faktisch Freiheitsentzug ohne Urteil", sagt der Militärforscher.
 
Laut Rüdiger Wenzke wurden bis zur Wende rund 2500 Soldaten in Schwedt gedrillt. Von Montag bis Sonnabend gab es ganztägig eine harte militärische Ausbildung mit Sturmbahn, Militärsport und stundenlangem Exerziertraining. Sonntags mussten Arbeiten im Objekt erledigt werden, für Freizeit waren nur einige wenige Stunden reserviert. Alle Wege mussten im Laufschritt zurückgelegt werden. "Die Soldaten sollten an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit gebracht, ihr Willen gebrochen werden", sagt Wenzke. "Wer Schwedt überstanden hatte, so das Kalkül, würde in seiner Heimatkompanie nicht mehr aufmucken."
 
Das Gebäude der Strafkompanie steht seit Jahren leer. Die Heizung ist abgestellt, einige Fenster sind kaputt, durch die der kalte Wind hineinfegt. Auf drei Etagen gehen von den schier endlos langen Fluren rechts und links die ehemaligen Soldatenstuben ab. Die großen Fenster lassen die leeren Räume hell erscheinen. Ein normales Kasernengebäude, so meint man zunächst. Doch im Erdgeschoss befinden sich sechs Arrestzellen, vier Meter lang, anderthalb Meter breit. Durch ein vergittertes Oberlicht dringt nur spärlich das Tageslicht. Eine Holzliege, die am Tag hochgeklappt werden musste, klemmt an der Wand. Hier wurden jene Soldaten eingesperrt, die sich selbst in der Strafkompanie noch auflehnten.
 
Wenzke glaubt, dass die NVA-Führung mit der Einrichtung der Strafkompanie den Druck auf die Wehrdienstleistenden verstärken wollte. "Es ging um Disziplinierung durch Abschreckung, und das zeigte Wirkung." Nach 1982 sei die Zahl der Militärgerichtsurteile gegen Soldaten und Unteroffiziere erkennbar zurückgegangen.
 
Lutz Herrmann hört mit höflichem Lächeln zu, wenn man mit ihm über das Militärlager spricht. Aber seine Distanz ist deutlich zu spüren. Vielleicht, weil er als stellvertretender Bürgermeister den Eindruck vermeiden möchte, Schwedt trage irgendeine Verantwortung für das Lager. "Das war eine Einrichtung der Armee. Es gibt keine einzige Akte hier in der Stadt, die irgendetwas damit zu tun hat", sagt Herrmann in seinem Büro. 
 
Dann erzählt er, dass ohnehin damals kaum einer der Bürger gewusst habe, was dort geschieht. "Da führte eine selten befahrene Stichstraße hin, die an einem mysteriösen Tor im Wald endete. Das war's", sagt er. Und die Militärangestellten, die dort arbeiteten, die Offiziere und das Wachpersonal - hat die nie jemand gefragt, was dort ist? "Die wenigen, die in der Stadt lebten, schwiegen. Sie reden noch heute nicht darüber."
 
Es werde daher schwierig sein, den 36000 Einwohnern ein Gefühl für diesen Ort zu vermitteln, mutmaßt Lutz Herrmann. "Wir wollen objektiv aufklären, es aber auch allen recht machen: den einstigen Häftlingen, den früher dort Beschäftigten und auch den Schwedter Bürgern." Der Erinnerungsort liege nun mal in dieser Stadt, und damit müsse man umgehen.
 
Mit dem Erinnerungsort befasst sich seit einigen Monaten Torsten Dressler. Der Archäologe aus Glienicke ist von der Bundesstiftung Aufarbeitung damit beauftragt worden, den gegenwärtigen Zustand des Lagergeländes auf Fotos und Plänen zu dokumentieren. Ein ungewöhnliches Projekt für Dressler, denn normalerweise kümmert er sich um frühgeschichtliche Ausgrabungen.
 
Dressler ist agil, jugendlich, seine 43 Jahre will man kaum abnehmen. Er hat noch in der NVA gedient, wenn auch nur ein knappes Jahr, weil die Wende dazwischenkam. Auf Schwedt sei er vor einem Jahr eher zufällig gestoßen, erzählt er. "Ich habe an einer geplanten Gasleitung gearbeitet, die hier entlangführen soll, ein Routineauftrag. Da fiel mir die Armeezeit ein - Schwedt, da hast du doch so schlimme Sachen gehört, dachte ich." Er habe sich auf die Suche begeben und sei dann auf das Gelände vor den Toren der Stadt gestoßen. Dressler machte Fotos von den verfallenen Gebäuden und ging damit zur Bundesstiftung. "Die Stiftung hat ein Buch herausgegeben, ,Gedenkorte des Erinnerns' heißt es", sagt er. "Da war Schwedt nicht drin. Ich machte denen klar: Wenn sie sich nicht bald mit dem Gelände befassen, ist alles verschwunden." So habe er den Auftrag erhalten.
 
Hartmut Zitzl hat erst vor wenigen Wochen wieder mal das alte Lagergelände besucht. Der Fernsehsender MDR wollte einen kurzen Film über DDR-Militärhäftlinge drehen, und weil Zitzl zu den Wenigen gehört, die über dieses Kapitel ihres Lebens vor der Kamera sprechen, heuerte man ihn als Zeitzeugen an. Schwedt habe ihn geprägt, tiefer, als er lange Zeit wahrhaben wollte, sagt er. "Ich habe erst vor zehn Jahren die Kraft gefunden, das erste Mal mit meinem Vater darüber zu sprechen, was ich dort erlebt habe."
 
Fünf Tage in der Dunkelzelle
 
Der 45-Jährige mit den Lachfältchen im Augenwinkel und dem sorgfältig ausrasierten Kinnbart arbeitet heute als Vermögensberater in seiner Heimatstadt Dessau. Zitzl war mal Leistungssportler, Zehnkämpfer. Er ist ein Kumpeltyp, einer, der anpackt und sich nicht unterkriegen lässt. An diesem Nachmittag aber wirkt er nachdenklich, verletzlich, als er von seiner Zeit in Schwedt erzählt. 1985 war er zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt worden, wegen Fahnenflucht. "Als ich nach Schwedt kam, hatte ich mit allem abgeschlossen", sagt er. "Nach allem, was man so gehört hat, dachte ich, da kommst du nie wieder raus." Er lehnte sich auf, machte den Frühsport nicht mit. "Fünf Tage Mumpe habe ich da bekommen, so nannten wir die Dunkelzelle", erzählt er. "Anderthalb Meter im Quadrat, kein Licht, eine Holzliege, eine Gittertür mit einer Stahltür davor. Der Geruch der Zelle ist weg, aber das Geräusch dieser Tür höre ich heute noch."
 
Nach den fünf Tagen Einzelhaft habe er sich ergeben. Den Frühsport boykottierte er nun nicht mehr, bei der Arbeit in der Werkstatt schaffte er jede Norm. Auch die tägliche militärische Ausbildung, die hart gewesen sei, habe er ohne Murren absolviert: "Andere haben mehr gelitten als ich, besonders die mit Familie und Kindern, die waren psychisch völlig fertig."
 
Er sei im Gefängnis streng, doch korrekt behandelt worden, sagt er. "Richtig schlimm waren nur die Ratten, die zu Hunderten aus den Abflusslöchern in der Küche kamen. In jeder Schicht haben wir bis zu 150 Viecher gefangen." Als Opfer sieht er sich nicht. "Ich habe damals etwas falsch gemacht, ich bin desertiert, und dafür wurde ich bestraft", erklärt Hartmut Zitzl. Aber es habe auch die anderen gegeben, die man aus politischen Gründen eingesperrt hatte. Der eine Soldat etwa, der sich geweigert hatte zu wählen, und der Grenzer, der die Flucht seines Kameraden nicht verhinderte.
 
Dass man jetzt die Erinnerung an das Lager bewahren will, findet Zitzl richtig. "Aber man sollte da auch klar sagen: In Schwedt saßen nicht nur Opfer, sondern auch Täter."
 

Zuletzt geändert am: 10.04.2011 um 09:55

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