Aktuelles
 
 

 

Hier erfahren Sie aktuelle Nachrichten rund um das Thema Selbsthilfegruppen für Stasiopfer.
Auf dieser Seite finden Sie in Zukunft alles was es Aktuell gibt mit Interesse für SED- und Stasiopfer.

Siehe Terminhinweise für Veranstaltungen gleich welcher Art, einiges was es aus den Medien gibt mit
Interesse für SED-und Stasiopfer, auch Presseartikel.

  

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DDR als Billiglohnland für den Westen
 
Bis zum Mauerfall 1989 nutzten viele West-Firmen das niedrige Lohnniveau in der DDR und erzielten dadurch große Gewinne. Aus Profitinteresse wurden auch Zwangsarbeiter eingesetzt.
 
Die Vorwürfe gegen den Möbelhersteller Ikea, DDR-Zwangsarbeiter hätten jahrelang für den schwedischen Konzern geschuftet, brachten den Stein ins Rollen. Anfang Mai (02.05.2012) hatte der schwedische Fernsehsender SVT einen Bericht ausgestrahlt, in dem auch ehemalige DDR-Häftlinge zu Wort kamen. Demnach sollen bis zum Mauerfall 1989 in ostdeutschen Gefängnissen Ikea-Möbel hergestellt worden sein, auch von politischen Gefangenen. Zwangsarbeit in Ostdeutschland für einen westlichen Konzern. Kein Einzelfall, sondern gängige Praxis, von der auch viele deutsche Firmen profitierten. Denn in der DDR waren alle Gefangenen zur Arbeit verpflichtet.
 
 
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Debatte um Entschädigung für DDR-Häftlingsarbeit
 
Der Stasi-Bundesbeauftragte Roland Jahn hat von deutschen Firmen Aufklärung darüber verlangt, ob sie vor 1989 von DDR-Häftlingsarbeit profitiert haben.
 
„Ich würde es begrüßen, wenn westliche und vor allem bundesdeutsche Unternehmen, die in der DDR produzieren ließen, für Transparenz sorgen würden“, sagte Jahn dem Magazin „Focus“. Seine Behörde stehe für Recherchen zur Verfügung.
 
 
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Beratungstage für SED-Opfer
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
 
auch in diesem Jahr werden wir wieder Beratungstage für Verfolgte des SBZ/DDR-Regimes durchführen, und zwar
 
am 30. Mai 2012 in Goslar im Kreishaus und
am 26. September 2012 in Osnabrück im Rathaus.
 
Aus hiesiger Sicht ist es sehr wichtig, dass auch Vertreter der in Niedersachsen organisierten Opferverbände, bzw.des Nds. Netzwerks für SED-und Stasi-Opfer als selbst Betroffene an den Beratungen teilnehmen, um die Veranstaltungen mit ihrer Fachkompetenz zu unterstützen. Ich würde mich deshalb freuen, wenn es uns gelänge, zu jedem Termin jeweils einen Ansprechpartner aus Ihrem Kreis dabei zu haben. 
 
Für eine kurze Rückmeldung ob und wann Ihnen eine Teilnahme möglich wäre, bedanke ich mich im voraus. Auch für organisatorische Fragen stehe ich selbstverständlich gern zur Verfügung. Die endgültige Planung, wer an welchem Termin teilnimmt, werde ich Ihnen dann zeitnah übersenden.
 
 
Mit freundlichen Grüßen 
Karin Nitsch
 
Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport 
Referat A 12
 
fon: 0511/120 - 46 64 
fax: 0511/120 - 99-46 64 
e-mail: karin.nitsch@mi.niedersachsen.de

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Die mitteldeutsche Bischöfin Ilse Junkermann plädiert für eine neue Aufarbeitung des DDR-Unrechts: Erst dann sei Versöhnung möglich
 
DIE ZEIT: Frau Junkermann, war die DDR ein Unrechtsstaat?
 
Ilse Junkermann: Ja, ohne Zweifel. Sie kannte keine Gewaltenteilung. Sie hat im Rahmen ihres Rechts Recht gesprochen, das nicht auf demokratischem Weg zustande gekommen ist. Die bürgerlichen Rechte waren massiv eingeschränkt.
 
 
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"Ohne die Häftlingsarbeit hätte der Plan nicht erfüllt werden können"

Ikea-Möbel aus dem Osten: Forscher bestätigt den umfangreichen Einsatz von Zwangsarbeitern in der DDR
 
Steffen Alisch im Gespräch mit Frank Meyer
 
Viele West-Firmen wie Ikea ließen im Billiglohnland DDR produzieren - und "wenn sie sich interessiert hätten, dann hätten sie auch feststellen können, dass oft Häftlinge diese Arbeiten getan haben", sagt der Politologe Steffen Alisch. Er fordert einen offeneren Umgang mit der Zwangsarbeit in der DDR.
 
 
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Ex-Stasi-Leute - «Die Gesetzesänderung war dumm»

Der Streit um die Tätigkeit der ehemaligen Stasi-Mitarbeiter in der Stasi-Unterlagen-Behörde ist so alt wie die Amtszeit des aktuellen Behörden-Leiters Roland Jahn. Der schafft es allerdings nicht, sich von ihnen zu trennen. Gut vier Monate nach Inkrafttreten des neuen Stasi-Unterlagen-Gesetzes sind immer noch 44 Ex-Stasi-Leute in der Behörde beschäftigt. Das Gesetz besagt, dass dort niemand arbeiten darf, der zuvor in Diensten des Ministeriums für Staatssicherheit stand. Aus Angst vor Klagen verzichtet die Behörden-Leitung auf Zwang.
 
 
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Ex-Stasi-Mitarbeiter zieht Antrag gegen Stellenbesetzung in Jahn-Behörde zurück

Ein Antrag auf einstweilige Verfügung vor dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg gegen eine Stellenbesetzung in der Stasi-Unterlagenbehörde ist heute kurz vor der Verhandlung zurückgenommen worden. Der Kläger, ein früherer Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit, wollte mit der einstweilligen Verfügung die Neubesetzung der Stelle des Leiters des Haussicherungsdienstes in der Stasi-Unterlagenbehörde mit einem externen Bewerber verhindern.
 
 
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Kicken, wenn die Stasi wegkuckt

Weil sie die falsche Musik hörten und die falschen Sachen trugen, wurden Punks von der DDR-Staatsmacht überwacht. Doch manchmal versagte der sonst so zuverlässige Überwachungsapparat, wie bei einem legendären Fußballspiel 1983 in Weimar.
 
Das kleine, aber tüchtige Völkchen der Thüringer war ein ausgesprochenes Volk des Sports. So ist nicht verwunderlich, dass sich der Fußball auch in der grundlangweiligen Arbeiter- und Bauerndiktatur Geltung verschaffte. Der Fußballsport mit der ganzen Fülle seiner unaufhaltsamen Energie. Ich habe mal irgendwo gelesen, es gibt Leute, die nichts mit Ernst bestreiten, ausgenommen das Spiel.
 
 
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Befehle von Stasi-Mielke kommen ins Internet

Die Stasi-Unterlagenbehörde will ihren Digitalisierungskurs forcieren. Ab 2014 wolle man zum Beispiel alle zentralen Befehle und Weisungen der Stasi-Minister zwischen 1950 und 1989 ins Internet einspeisen, kündigte Birgit Salamon heute bei einem Besuch in der Außenstelle Dresden an – sie ist Abteilungsleiterin für Archivwesen beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) in Berlin.
 
Auch andere Stasi-Akten werde man nach und nach einscannen und dann von Fall zu Fall entscheiden, ob sie auch im Internet zugänglich gemacht werden können. Ein Hintergrund dafür ist das wieder steigende Interesse an den Stasiakten. Und: „Immer mehr Antragssteller wollen ihre Stasi-Unterlagen in elektronischer Form zugeschickt bekommen“, erklärte Konrad Felber, BStU-Außenstellenleiter in Dresden.
 
 
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Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier - „Grass verhöhnt Opfer der SED-Diktatur“

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat Literaturnobelpreisträgers Günter Grass wegen dessen fortgesetzter Israel-Kritik in einem offenen Brief scharf angegriffen.
 
Der CDU-Politiker reagierte damit auf den Vergleich des Schriftstellers von Israel mit der DDR-Diktatur.
 
 
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Heideblick will Expertenrat zur Auswertung von Stasi-Auskünften

Gemeindevertreter laden Fachleute zur Sitzung ein
 
Heideblick Die Gemeindevertreter von Heideblick werden sich auf ihrer nächsten Sitzung am 16. April ausführlich mit dem Umgang von Unterlagen der Stasi-Untersuchungsbehörde befassen.
 
 
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SED, PDS und die Linke - Der Aufstieg der Gesine Lötzsch

Eigentlich wollte sie sich noch einmal zur Wahl stellen. Jetzt ist Gesine Lötzsch überraschend als Linke-Chefin zurückgetreten. Nach ihrem harten Aufstieg ist ihr diese Entscheidung sicherlich nicht leicht gefallen.
 
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IM-Vergangenheit: Linken-Abgeordnete Leukefeld nicht mehr "parlamentsunwürdig"

Der Thüringer Landtag hat die Vergangenheit der Linken-Abgeordneten Ina Leukefeld als Inoffizielle Mitarbeiterin der Stasi neu bewertet. Nach Informationen des MDR THÜRINGEN hat die Stasi-Kommission des Landtags die Einzelfallprüfung von Leukefeld ergebnislos eingestellt - das heißt, dass die Suhler Abgeordnete anders als bei der ersten Prüfung vor sechs Jahren diesmal nicht als "parlamentsunwürdig" eingestuft wird.
 
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Stasi-Überprüfung: Leukefeld nicht mehr "unwürdig"

Die Landtagskommission zur Überprüfung der Thüringer Abgeordneten auf eine mögliche Stasi-Vergangenheit hat nach einem MDR-Bericht eine Jahre zurückliegende Entscheidung korrigiert.
 
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Schul Kino Wochen NRW 2012 


Schüler des Berufskollegs Schloß Neuhaus,
Herr G. Kröger Leiter des Kreismedienzentrums Paderborn
und Harry Hinz Zeitzeuge u. Vorsitzender Netzwerk Stasiopfer Selbsthilfe e.V.

Wenn nichts mehr geheim ist/27.01.12

Schüler fragen einen Zeitzeugen//27.01.12

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Die Mitarbeiter der Staatssicherheit der DDR verstanden sich als Elite. Wie wurde man Teil dieser Gruppe Auserlesener? Ein Blick in die Akten gibt Auskunft.

Veröffentlicht von (mike) am 26.02.2011
Aktuelles >>
Ein Grundmisstrauen und damit einhergehend ein wachsendes Sicherheitsbedürfnis der DDR-Partei- und Staatsführung machten einen Ausbau des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) erforderlich. Die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter - bis zur friedlichen Revolution eines der bestgehüteten Geheimnisse der DDR1 - stieg ab 1950 stetig an. In dem Jahr war die "Hauptverwaltung zum Schutz der Volkswirtschaft" in ein Ministerium für Staatssicherheit umgewandelt worden. 1989 arbeiteten knapp über 91 000 Hauptamtliche im MfS - der überwiegende Teil Berufsoffiziere. Dabei war es für das MfS nicht einfach, geeignetes Personal zu finden.

In den Anfangsjahren kamen teilweise langjährige Kommunisten mit und ohne Erfahrungen im Widerstand und hauptsächlich junge Menschen zum Einsatz, die meistens aus der sozial unterprivilegierten Schicht stammten und nur über geringe Bildung verfügten. Nach Auskunft von Dr. Andrea Herz, Historikerin bei der Thüringer Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, hatte man 1950 systematisch alle Polizeistellen durchforstet auf der Suche nach geeigneten Mitarbeitern. Sie brachten polizeiliche Kenntnisse mit in den Dienst. Kriminalpolizisten waren am beliebtesten, wechselten aber eher selten. Ihre neuen Aufgaben lernten die MfS-Mitarbeiter bei Instrukteuren der sowjetischen Geheimdienststellen, die bis 1953 selbst noch intensiv die "Staatsfeinde" auf DDR-Gebiet suchten und fanden. Das große Aufgabenspektrum verlangte aber eine Professionalisierung der Mitarbeiter.

1959 gab es mit der "Richtlinie über die Werbung von Kadern auf Perspektive" erstmals eine Art Anforderungskatalog für zukünftige Hauptamtliche. Sie sollten - ohne ihr Wissen - genauestens überprüft werden und ihre Zuverlässigkeit möglichst schon als Inoffizielle Mitarbeiter (IM) unter Beweis gestellt haben. Die Richtlinie wurde mehrfach novelliert. In der Version von 1985 heißt es dann, dass zukünftige Hauptamtliche Mitarbeiter mindestens zwei Jahre als IM tätig gewesen sein sollten.

Wichtigste Anforderungen waren Loyalität, Befehlsgehorsam, Bereitschaft privater Absonderung, Bereitschaft zu lebenslanger MfS-Bindung, keine direkten Westkontakte. Zudem sollten die als operative Mitarbeiter Vorgesehenen in der Lage sein, Inoffizielle Mitarbeiter zu führen und Berichte zu verfassen. "Feindlichen Kräften" durften sie keine Angriffspunkte liefern.

Wie und wo fand die Staatssicherheit Mitarbeiter, die diese Voraussetzungen erfüllten? Offensiv um Mitarbeiter zu werben, kam schon allein aus Gründen der Konspiration nicht infrage. Eigenbewerbungen waren nicht erfolgreich. Das MfS suchte seine Kandidaten selbst. Bei der Auswahl wurden strenge Maßstäbe angelegt. Zum einen wollte man sichergehen, dass nur überprüfte Personen und nicht etwa Mitarbeiter fremder Geheimdienste für das MfS arbeiten, zum anderen pflegte man ein Elite-Denken.

Der Weg in die Kreisdienststellen oder die Bezirksverwaltungen führte oft über die Arbeit in den "bewaffneten Organen" - Nationale Volksarmee (NVA), Grenztruppen, Polizei etc. - oder über den Dienst im Wachregiment des MfS, das nach dem Gründer der revolutionären Geheimpolizei der Bolschewiki, Feliks Dzierzynski, benannt war. 1982 vereinbarten MfS und Verteidigungsministerium, dass eine jeweils festzulegende Quote aller Offiziers- und Unteroffiziersbewerber dem MfS zustand. Bereits in der 7. Klasse, später in der 6., wurden Listen mit den Namen geeigneter Schüler erstellt. "Die Verlagerung der Kadersuche in die siebten Klassen bedeutete, dass die Staatssicherheit systematisch Minderjährige ausforschte und gegebenenfalls warb."2 In der 9. Klasse gaben diese Schüler dann Bereitschaftserklärungen ab. Offiziell wurden sie als Bewerber für die NVA geführt.

X.* zum Beispiel absolvierte nach Abschluss der 10. Klasse eine Lehre als Werkzeugmechaniker. "Auf Grund seiner positiven Einstellung zu unserem sozialistischen Staat" meldete er sich freiwillig als Soldat auf Zeit, wurde mit 19 Jahren Angehöriger des MfS-Wachregiments und ein Jahr später Mitglied der SED. Während seines Dienstes beim Wachregiment wurde mit ihm eine "Aussprache" geführt, in der er sich bereit erklärte, für das MfS zu arbeiten. Unmittelbar nach Ende der Dienstzeit 1969 wechselte X. in die Bad Salzunger Kreisdienststelle.

Y.* arbeitete als Zivilbeschäftigte bei der NVA in Bad Salzungen, als sie Besuch von drei Herren bekam. Für die MfS-Kreisdienststelle wurde eine Schreibkraft gesucht. Deswegen waren alle Zivilangestellten, die in dem neuen NVA-Objekt in Bad Salzungen eingestellt worden waren, beziehungsweise eingestellt werden sollten, überprüft worden - ohne, dass sie davon wussten. Y., diesen Schluss lässt ihre Kaderakte zu, war unauffällig und im DDR-typischen Rahmen angepasst: stellvertretende Sekretärin der FDJ-Gruppe, Mitglied im Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB), der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft, im Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB) und der Feuerwehr. Nach der 10. Klasse absolvierte sie eine Ausbildung, arbeitete als Sekretärin und wechselte 1976 zur NVA. Anfang Februar 1976, sie war 23 Jahre alt, kam es zu einer Aussprache. Ziel war es, sie kennenzulernen. "Weiter sollte in der Aussprache geprüft werden, inwieweit bei der ... Voraussetzungen hinsichtlich der Anforderungen für eine mögliche künftige Tätigkeit im MfS gegeben sind" , schrieb einer der drei Stasi-Offiziere nach dem Treffen in einem Bericht. Die drei Männer stellten sich als Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit vor. "Durch uns wurde jetzt, nachdem die Unverbindlichkeit dieser Aussprache klar gelegt worden war, an die ... konkret die Frage gestellt, inwieweit sie bereit ist, als Berufssoldat ihren Dienst im Ministerium für Staatssicherheit zu leisten. [...] In diesem Zusammenhang wurde der Genannten auch deutlich gemacht, dass wir nicht jede Person für eine derartige Tätigkeit ansprechen, da die Arbeit im MfS ein Höchstmaß an Verantwortungsbewußtsein und Zuverlässigkeit voraussetzt." Y. erbat sich Bedenkzeit. Sie wolle auch mit ihrem Mann reden, der - schätzte sie ein - keine Einwände gegen eine MfS-Mitarbeit hätte. "Wir legten ihr dar, dass sich aus einer Tätigkeit beim MfS eine Reihe von Pflichten ergeben, wie sie bei anderen Berufen nicht stehen." Als Y. fragte, welche das seien, wurden ihr "die Notwendigkeit der absoluten Verschwiegenheit über alle dienstlichen Probleme, die Frage, daß keinerlei Westkontakte unterhalten werden dürfen, und das Problem, daß man als Mitarbeiter des MfS als Genosse überhaupt für andere Menschen Vorbild sein muß" aufgezählt. In dem Bericht wurde Y. attestiert, intelligent zu sein, über eine gute Allgemeinbildung zu verfügen, sauber gekleidet und von angenehmer äußerer Erscheinung zu sein. Zum Schluss heißt es, es könne eingeschätzt werden, "dass bei der .... eine Reihe von Voraussetzungen für eine mögliche Tätigkeit im MfS gegeben sind". Y. wurde schließlich eingestellt und arbeitete zuletzt als Sekretärin des Leiters der Kreisdienststelle.

Z.* entstammte einem "fortschrittlichen Elternhaus", wie es im Stasi-Jargon hieß. Der Vater aktiver SED-Genosse, die Mutter zwar parteilos, aber mit einer "gefestigten positiven Einstellung zu unserer sozialistischen Entwicklung", der Großvater war Bürgermeister und ebenfalls SED-Mitglied.

Z. besuchte die Polytechnische Oberschule (POS), die Erweiterte Oberschule (EOS), parallel dazu absolvierte er eine Ausbildung als KfZ-Elektromechaniker, legte sein Abitur mit "sehr gut" ab und nahm 1965 ein Studium an der Karl-Marx-Universität in Leipzig auf, das er fünf Jahre später als Diplomlehrer Mathematik/Physik abschloss. Um Aufnahme in die SED hatte er bereits als Oberschüler gebeten. 1966, er war 20 Jahre alt, wurde dem Antrag stattgegeben. Er arbeitete als Lehrer, bevor er seinen Grundwehrdienst als Militärkraftfahrer bei den Grenztruppen der DDR, Grenzregiment 3, in Dermbach leistete. Hier war er als Gesellschaftlicher Mitarbeiter für Sicherheit (GMS) erfasst. Bei einem GMS handelte es sich um eine spezielle Form inoffizieller Zusammenarbeit. Als zuverlässiger GMS, dem es gelungen war "durch operatives Können das Vertrauen seiner Kameraden zu erringen", hatte er unter anderem eine Fahnenflucht verhindert. Durch seine inoffizielle Zusammenarbeit mit dem MfS kam er nun also auch als hauptamtlicher Mitarbeiter in Frage. Eine Erstüberprüfung der Person hatte keine negativen Hinweise erbracht, weshalb auf Weisung des Leiters der Kreisdienststelle Bad Salzungen die "kadermäßige Aufklärung" eingeleitet wurde - ohne dass "der Kandidat" davon etwas mitbekam.

Am 21. Januar 1974 gegen 14 Uhr klingelten zwei Herren an Z.s Wohnungstür. Es waren Oberleutnant U. und Leutnant B., beide Mitarbeiter der Kreisdienststelle Bad Salzungen. Sie wussten, dass Z., auf Urlaub zu Hause war. Der allerdings wurde von dem Besuch überrascht. Ziel des Gesprächs war es, festzustellen, ob Z. bereit war, für das MfS zu arbeiten. "Dem ... wurde eröffnet, dass die besten zuverlässigsten Genossen der SED, die sich bewährt haben, [...] unsere Sicherheitsorgane personell ergänzen [...]." Und da er ein solcher Genosse sei, schlugen ihm die beiden Offiziere vor, nach seinem Grundwehrdienst "Mitarbeiter der Sicherheitsorgane" zu werden. Z. war überrascht, erklärte aber sogleich, dass er "aus politischer Überzeugung den Dienst im Rahmen des MfS als politisch absolut notwendig begreift und er prinzipiell mit seinem Eintritt in das Ministerium einverstanden ist [...]." Im Verlauf des Gesprächs erklärten die beiden Männer, dass sie von Z.s inoffizielle Tätigkeit für das MfS wüssten. "Damit wurde das Gespräch noch vertrauensvoller [...]".
 


Eine Woche später trafen sich B., U. und Z. zu einer weiteren "Aussprache" in den Räumen der Kreisdienststelle. Am selben Tag fand ein zweites Gespräch mit KD-Leiter Dieter Rübner statt. Der Aussprachebericht ist interessant, weil sich Rübner zwar an die Grundsätze der Konspiration hält, aber seine Ausführungen dennoch einen Einblick geben in Innenleben und Selbstverständnis des MfS. "Das MfS leistet eine staatserhaltende Arbeit, es ist Schwert der Partei, es führt einen Klassenkampf unversöhnlicher Art an der unsichtbaren Front." Mühselig sei diese Arbeit. Das MfS sei ein militärisches Organ und basiere auf Befehlen und Weisungen. Es werde militärische Disziplin gefordert, gleichwohl "ist der operative Mitarbeiter kein blinder Befehlsempfänger, sondern handelt mit Schöpfertum und Verantwortungsbewußtsein. Die tschekistischen Fähigkeiten, wie Mut, Ausdauer, Beharrlichkeit, Schöpfertum, Kraft müssen ständig gefestigt werden. Oft gibt es nur wenige Erfolgserlebnisse, dann sind Krisen möglich und hier muss sich der Einzelne beweisen". Die Arbeitszeit dauere von 8 bis 17 Uhr; die Bereitschaft, länger zu arbeiten, sei Voraussetzung genauso wie Versetzungs- und Umzugsbereitschaft. Nach dem Gespräch schreibt Rübner, der Kaderkandidat hinterlasse "einen sehr guten Gesamteindruck". Während sich Rübner mit Z. unterhielt, führte Leutnant B. ein Gespräch mit Z.s Verlobter, in dem sie angab, ihren Verlobten unterstützen zu wollen. Es gab später noch ein weiteres Treffen mit Z., bei dem es auch um die "Westverbindungen" von Z.s Verwandtschaft ging. Seine Großeltern hatten sich bereit erklärt, nicht mehr ins "kapitalistische Ausland" zu reisen, ihren Briefverkehr einzuschränken und keine Angaben über die Arbeit ihres Enkels zu machen. Auch seine zukünftigen Schwiegereltern erklärten, sie würden auf Brief- und persönliche Verbindungen ins "kapitalistische Ausland" verzichten. Das musste aber nicht unbedingt bedeuten, dass sie von der MfS-Anstellung direkt erfahren hatten. Ab 1. Mai 1974 arbeitete Z. hauptamtlich für das MfS, zuerst auf der Linie Grenzsicherung, zuletzt in einer leitenden Position in der KD Bad Salzungen. Eine weitere Möglichkeit, geeignetes Personal zu finden, bot sich den Kaderwerbern in den Familien der MfS-Mitarbeiter. Doch dazu mehr in einer der nächsten Folgen. dia

 

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Zuletzt geändert am: 26.02.2011 um 20:29

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