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Lieberknecht: Wir dürfen die Opfer der SED-Diktatur nie vergessen//17.06.10
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Berliner Zeitung - Eigentor beim Nachtreten
ZDF-Chef Schächter kritisiert Nikolaus Brender wegen dessen Attacke gegen "IM" im Sender
VON DALAND SEGLER
Es erinnert ein wenig an die Strategie der verbrannten Erde. Wenn der Unterlegene sich zurückziehen muss, zerstört er, was noch übrig ist nach dem Kampf, damit der Gegner nicht mehr darüber verfügen kann. Der martialische Vergleich mag hoch gegriffen sein, aber genau das hat Nikolaus Brender jetzt auch getan: sich vergriffen. Der scheidende ZDF-Chefredakteur hat dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel ein Interview gegeben, in dem er von einem "internen Spitzelsystem" im Sender spricht, das davon lebe, "dass Redakteure den Parteien Interna zutragen". Der erfahrene Journalist scheut sich nicht, einen direkten Bezug zu DDR-Zeiten herzustellen; er spricht laut Spiegel von "inoffiziellen Mitarbeitern" der Parteien, das sei "wirklich vergleichbar mit den IM der DDR".
Öffentliche Abmahnung
Brenders Amtszeit endet offiziell am 31. März. Er muss es nicht mehr lange aushalten am Lerchenberg. Aber er hat sich seine letzten Tage im Sender nicht gerade gemütlich gemacht. Prompt kommen die heftigen Reaktionen, selbstredend auch von seinem Chef, Intendant Markus Schächter. Der war beim Streit um Brenders Vertragsverlängerung noch öffentlich für seinen Chefredakteur eingetreten. Jetzt aber sieht sich Schächter, einst Pressesprecher der CDU-Ministerin Hanna Renate Laurien in Rheinland-Pfalz, zu einer ebenso öffentlich formulierten Abmahnung genötigt: Brenders Darstellung sei "in der Sache falsch und in der Form maßlos und inakzeptabel".
Die ZDF-Redaktionen seien "unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Einflüsterungen", wer etwas anderes behaupte, müsse dies belegen.
Schächter geht so weit, Brenders Attacke zu einem Eigentor umzudeuten: Als Chefredakteur, der zehn Jahre lang in der Verantwortung gewesen sei, hätte Brender "die behaupteten Missstände selbst abstellen müssen". Das habe er getan, sagt Brender im Spiegel, denn er habe versucht "Spione wenigstens von Posten mit echter Verantwortung fernzuhalten". Doch der Intendant hält dagegen, man könne nicht "gegen Diffamierungen zu Felde ziehen, indem man seine eigenen Mitstreiter diffamiert". Und selbst wohlwollende Kollegen im Sender sprechen von einem "Fehler" Brenders.
Empörung kommt auch von anderen Seiten. Hubertus Knabe etwa, Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, findet es laut Bild-Zeitung "unstatthaft" von Brender, sich auf eine Stufe mit Stasi-Opfern zu stellen.
Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), Hugo Diederich, auch Mitglied des ZDF-Fernsehrats, hatte schon am Sonntag als "unverantwortlich" gerügt, dass Brender "als ZDF-Führungskraft seine Redakteure mit der Geheimpolizei der SED-Diktatur" vergleiche.
Warum Brender, einst bei den Jesuiten in St. Blasien zur Schule gegangen, sich zu einer von allen Seiten als Übertreibung geißelbaren Darstellung hat hinreißen lassen, mag vorerst sein Geheimnis bleiben. Dass es in Rundfunkanstalten (wie wohl überall sonst auch in Betrieben dieser Größe) Intrigen gibt, hätte er auch anders sagen können. Und er hat ja auch zutreffend formuliert, dass "parteipolitische Methodik" den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu okkupieren drohe. Und wer zweifelt ernsthaft an Brenders Aussage, es gebe "Staatskanzleien, die bei den Sendeanstalten ihres Einflussgebiets anrufen und loben oder tadeln - je nach Gefälligkeit der Berichterstattung."
Keinen Gefallen getan
Durch den Stasi-Vergleich aber geht der richtige Kern von Brenders Sicht in der allgemeinen Erregung unter. Und die wird auch mit Äußerungen befeuert, die weniger Sachverstand als parteipolitisches Kalkül erkennen lassen. Da meinte in der Bild-Zeitung der CDU-Obmann im Medienausschuss des Bundestages, ein bisweilen nicht weiter aufgefallener Chemnitzer Politiker namens Marco Wanderwitz, es "wäre auch die Frage zu stellen, ob so eine Form von Rufschädigung Konsequenzen für die Pensionszahlungen" habe. Das wiederum ließ die SPD nicht ruhen. Deren erster Medienpolitiker Kurt Beck ließ mitteilen, Wanderwitz' Äußerungen seien "überflüssig". Das ist milde formuliert.
Aber auch Beck, selbst im ZDF-Verwaltungsrat, rügte Brenders Darstellung als "überzogen"; sie zeichne ein "unzutreffendes Bild des Senders". Und Marc Jan Eumann, Vorsitzender der Medienkommission beim SPD-Parteivorstand, sieht gar einen Vorteil ausgerechnet für Roland Koch: Brender habe "dem öffentlichen-rechtlichen Rundfunk keinen Gefallen getan, er hat höchstens Roland Koch einen Gefallen getan. Zudem würden die Beratungen um die Novellierung des ZDF-Staatsvertrags "durch die abwegigen Brender-Äußerungen auch nicht einfacher."
Das alles kümmert Brender wohl nicht mehr, er weiß: "Das System hat mit mir abgeschlossen."
und weitere
Zuletzt geändert am: 24.02.2010 um 21:31
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